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Yvonne Gerdau - Bewusst leben > Gedanken  > „Vive l’émotion!“

„Vive l’émotion!“

Ich erzähle Dir eine Geschichte:

„Es war einmal, vor langer, langer Zeit, da wurde in Frankreich ein Gebäude errichtet, das noch bis heute an seinem Platz steht. Das Gebäude hat Wände, einen Fußboden und ein Dach. Es besteht aus Steinen und Holz und buntem Fensterglas. Die Menschen kommen von überall her, um dieses Gebäude zu besuchen. Eines Tages fing der Dachstuhl Feuer und ein großer Teil des Gebäudes wurde dabei beschädigt. Das Feuer wurde gelöscht und das Gebäude wurde mit Wänden, Fußboden und Dach wiederhergestellt. Ende.“

So etwas passiert ungefähr 1000mal auf dieser Welt – jeden Tag. Nur ist dieses spezielle Gebäude in diesem Fall die Kirche von Notre Dame in Paris.

Nach meiner kleinen – zugegeben – wenig emotionalen Geschichte, nur ein Gebäude. Das ist erstmal ein Fakt. Unumstößlich. Wahr.

Warum betrifft uns dann aber gerade dieses Unglück so?

Und wofür steht Notre Dame, dass es uns so betrifft? Worum geht es hier eigentlich?

 

Es geht um Emotion

Wenn es uns trifft – dann betrifft es uns. Und wenn es uns betrifft, dann sind wir gefühlsmäßig involviert. Wir beziehen es auf uns. Und deswegen wird es emotional.

Bei einer Emotion handelt es sich um ein stark ausgeprägtes Gefühl.

Das entsteht durch unsere Erfahrungen im Leben – positive und negative. Diese Erfahrungen haben uns geprägt und diese gelernten und tief verankerten Informationen entscheiden darüber, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen. Ob uns etwas emotional berührt oder aber „total kalt“ lässt.

Und das ist der Grund, warum die Menschen auf so vielschichtige Art Ihre Emotionen zum Ausdruck bringen – und da wir alle unterschiedliche Lernerfahrungen in diesem Leben gemacht haben, unterschiedlich mit unserer inneren Gefühlswelt verbunden sind, löst das auch so vielschichtige Emotionen aus.

Da stellt sich doch die Frage, warum ein Gebäude so eine Emotionalität bei so vielen Menschen zur gleichen Zeit erschaffen kann. Die Antwort darauf ist ziemlich einfach: weil die Menschen darin eben nicht nur ein Gebäude mit Wänden, Fußboden und Dach sehen. Sie sehen darin etwas anderes.

 

Es ist ein Symbol

Die Bedeutung von Symbolen machen sie so bedeutungsvoll. Wir Menschen geben ihnen eine Bedeutung – und damit auch einen Sinn.

Alles existiert nur weil wir daran glauben.

Dein tägliches Leben ist voller Symbolik. Den ganzen Tag über deutest Du Zeichen. Wir haben bewusst und unbewusst damit ein Wertesystem erschaffen. Warum?

 

Symbole schaffen Sinn

Symbole sind die Universalsprache der Menschheit. Sie helfen uns, ohne den Austausch von Worten einen Zusammenhang zwischen Bild und Bedeutung zu erkennen – eine Zugehörigkeit herzustellen. Ein Symbol schafft Ordnung.

Es ist ein Erkennungszeichen. Für Gegenstände, Orte, Gruppen, Handlungen, Glauben, Vorgänge.

Wenn ein Symbol eine Sinnhaftigkeit hat, dann steht es in Verbindung mit der Sinnlichkeit. Es bewirkt eine Sinnesempfindung und eine Wahrnehmung in uns.

Wenn es uns sinnlich berührt, dann haben wir ein Gefühl dazu. Wenn dieses Gefühl stark genug ausgeprägt ist, dann entsteht dazu eine Emotion. Bingo!

Wir geben einem Symbol eine Bedeutung, einen Sinn. Wir entscheiden in diesem Zusammenhang aber auch darüber, welchen Wert wir symbolhaften Dingen oder Menschen beimessen.

Ich möchte Dir einige Beispiele nennen, um die Bedeutung und den Wert eines Symbols deutlich zu machen. Und auch, um Dir zu zeigen, dass wir dafür nicht das gesprochene Wort benötigen. Ein Symbol steht für sich – es hat seine eigene Symbolsprache.

 

Die Sprache der Symbole

Wenn die Ampel rot ist, hast du gelernt anzuhalten. Zu einer Beerdigung erscheinst Du als Gast meistens in schwarzer Kleidung. Wenn der neue Laptop das Symbol eines Apfels darauf hat, wirst Du mit Sicherheit dafür mehr Geld ausgeben müssen, als für ein anderes Produkt. Ringe, die Du bei einer Hochzeitszeremonie ausgetauscht hast, zeigen Dir und Außenstehenden, dass Du verheiratet bist. Als Soldat wirst Du salutieren, wenn die Zeichen auf der Uniform Deines Gegenübers Dich dazu auffordern. Ein All Inclusive Band an Deinem Handgelenk, sorgt dafür, dass Du im Urlaub Zugang zum Hotel, Pool und Speisen hast. Symbole schaffen Werte.

A pro pos „Wert“: Wenn Du aus Deinem Portemonnaie ein Stück Papier holst und die Zahl 50 darauf schreibst, ist es dann auch ein Zahlungsmittel? Wenn nur genug Menschen daran glauben, dann bekommt es eine Wertigkeit. Und erst dann ist es möglich, dass daraus ein Symbol entsteht.

 

Alles existiert nur weil wir daran glauben

Welche Bedeutung hat es also, wenn wir einem Gebäude so viel „Wertigkeit“ geben? Wofür steht das Symbol „Notre Dame“? Welche Bedeutung geben wir diesem (Wahr)-Zeichen? Und warum?

Es gibt hier kein richtig oder falsch, wahr oder unwahr. Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise geprägt.Symbole können verbinden, zusammenführen, trennen und ausgrenzen. Wir geben ihnen die Bedeutung, wir entscheiden selbst über die Sinnhaftigkeit.

Welches Zeichen setzen wir zukünftig?

Was wird jetzt in Paris mit Notre Dame geschehen? Wahrscheinlich wird die Kirche – leicht verändert und optimiert – wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Dann bleibt das Wahrzeichen erkennbar und vor allem wiedererkennbar. In der Hoffnung, dass der Symbolcharakter danach auch weiterhin besteht – vielleicht sogar noch stärker wird.

Ich für meinen Teil wäre allerdings bereit für eine positive Veränderung im kollektiven Bewusstsein der Menschen.

Daher gefällt mir der Gedanke, dort in Paris ein neues Symbol zu erschaffen. Einsdas vereint. Eins, das neue Gedanken und neue Emotionen zulässt. Ein Erkennungszeichen für die Verbindung unter den Menschen.

Dazu benötigen wir aber viel Mut zur Veränderung. Die Offenheit, alle Emotionen zuzulassen. Auch, wenn wir anderer Meinung sind.

 

Nur Veränderungen bringen Veränderung

Leben ist Veränderung. Und wenn es uns noch so schwer fällt dieses zu akzeptieren – alles ist vergänglich. Dinge, Umstände, Menschen, Orte – eine Kirche wie Notre Dame – alles verändert sich im Laufe der Lebenszeit.

Warum ist das so positiv? Das schafft Raum für neue Möglichkeiten! Und wir brauchen dringend mehr Raum für Erneuerung.

Ich liebe das Zitat von Astrid Lindgren, welches sie durch Pipi Langstrumpf zum Ausdruck bringt:

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich mir völlig sicher, dass ich es schaffe!“

Es gibt fast keine bessere Affirmation als diese, um sich mutig in die Veränderung zu begeben.

 

Nur kein Drama!

Statt also das Drama der Zerstörung wieder und wieder zu erleben, warum nicht die neue Möglichkeit zur Weiterentwicklung und Erneuerung begrüßen?

Das Festhalten an alten Strukturen und Glaubensmustern hat noch nie zu einer Weiterentwicklung geführt. Zu glauben, es wird sich etwas verändern, wenn wir uns in eine Starre begeben, ist eine Illusion. Vergangenheit heißt so, weil sie vergangen ist!

Wäre es nicht ein schöner Gedanke, wenn das Ereignis in Frankreich dazu führen könnte, Menschen wieder einander näher zu bringen?

Es bietet sich doch kollektiv gerade eine großartige Möglichkeit, alte Glaubensmuster, Wertigkeiten und Symbole zu hinterfragen.

Veränderung beginnt im Kopf. In unserer inneren Haltung. Wäre das nicht eine großartige Chance, ein neues Symbol zu erschaffen?

 

Vive l’émotion – es lebe die Emotion!