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Yvonne Gerdau - Bewusst leben > Gedanken  > Gott spricht Kölsch
Yvonne Gerdau - Blog - Gott spricht Kölsch

Gott spricht Kölsch

Eigentlich wollte ich nicht mit in die Kirche gehen. Aber ich hätte eines der Highlights des Tages verpasst, wenn ich im Hotel geblieben wäre. Ich bin mit meinem Herzensmann auf Familienbesuch in Köln. Der älteste Neffe wird eingeschult und dieses Ereignis sollte besonders zelebriert werden – dazu gehört auch der obligatorische Einschulungsgottesdienst. Meine Erinnerungen an Besuche in der Kirche sind nicht gerade enthusiastischer Natur – dementsprechend klein war meine Vorfreude auf diesen Teil des Tages.

An der Kirche angekommen der erste Eindruck: diese Kirche sieht aus wie ein zu hoch geratenes Backsteinhaus. Dahinter würde man keine Kirche vermuten. Als wir sie betreten, erwartet uns kein klassisches Mittelschiff, sondern ein großer, hoher Raum mit modernem und frei positionierbarem Interieur. Und was mich am meisten erstaunt: kein gekreuzigter Jesus, keine Bilder, Figuren oder Statuen mit schmerzverzerrten und leidenden Gesichtern. Stattdessen gab es eine riesige, abstrakt bemalte Leinwand hinter dem modernen Altar aus schwerem Beton. Und je länger man auf die Leinwand schaut, umso mehr kann man in der Malerei erkennen. Der Phantasie des Betrachters sind keine Grenzen gesetzt.

Klaviermusik erklingt – der Küster spielt eine beschwingte Melodie und leitet den Gottesdienst ein. Und auch der Pastor – eine echte Show. Bunt gekleidet, locker, entspannt und voll ehrlicher Begeisterung für sein Tun. Alle sind voller Erwartung und Freude liegt in der Luft. Die Kids sind so gespannt, dass sie sogar vergessen durcheinander zu reden.

Er hält einen ökumenischen Gottesdienst ab – und sagt die ersten Worte, die mich erkennen lassen: dieser Mann ist anders. Er erklärt, er wäre für alle Menschen ein Werkzeug des Glaubens. Also sei er nicht nur Pastor sondern auch Pfarrer, Rabbiner und Iman – ein Mann des Glaubens für alle Religionen.

Weil es keine Rolle spiele – so erklärt er später – woher wir kämen. Seien wir doch alle sowieso universell miteinander verbunden.

Und wenn wir auch nur einen Gedanken aussenden, wird dieser den Menschen erreichen, an den wir gerade denken. Auch alle anderen Gedanken, die wir in das große Feld schicken, werden das menschliche Kollektiv beeinflussen. Also sollten wir darauf achten, dass unsere Gedanken wohlwollend und wertschätzend sind.

Glaube hat viele Facetten! Und zur Bekräftigung singen wir also alle ein Lied, dass so gar nicht religiös und verstaubt klingt. Es erinnert eher alle Kinder und Erwachsene daran, wie viel Spaß das gemeinsame Singen macht – und dass Glaube ein wichtiges Fundament unseres Daseins ist. Ich hänge an den Lippen dieses Mannes. Ein Kracher! Habe ich doch in einer Kirche noch nie so viel Offenheit und Spiritualität erleben dürfen.

Als er dann noch ganz selbstverständlich eine Marionette in Gestalt eines Engels bespielt, hat er nicht nur die volle Aufmerksamkeit der Kinder – ich beobachte, wie die Erwachsenen mit lächelnden Gesichtern auch komplett bei ihm sind. Der Engel erzählt im Jugendjargon, was ihn gerade so bewegt – und dass er manchmal auch gerne „chillen“ würde. Und er sagt den Kindern, dass sie niemals alleine sind, denn der Schutzengel ist immer an ihrer Seite. Wenn Sie einen Windhauch spüren, dann ist das oft der Engel, der sie streichelt und auf sie aufpasst. Was für eine schöne Art den Kindern zu vermitteln, dass es da noch mehr zwischen Himmel und Erde gibt – auch, wenn wir es nicht mit den Augen sehen können. Die Kinder nehmen mit: „Du bist nie alleine.“

Als Geschenk zum Segen erhalten die Kids einen kleinen Reflektor für ihren Schulranzen – in Form eines Engels. Wie großartig! Segen und Segnung, beten und Bitten – auch das ist ein Thema, das von ihm so bodenständig und doch so tief spirituell vermittelt wird.

Dann formen wir alle eine kleine Schale mit unseren Händen. Das, worum wir bitten – oder wofür wir beten – sollen wir jetzt mit dem Herzen ganz stark fühlen. Und wir sollen atmen – bewusst und intensiv atmen. Er bittet uns alle darum, unseren Wunsch gedanklich in die Handschale zu geben und die Hände zu schließen. Nun ein leichtes pusten auf die Hände, diese dann wieder öffnen – und den Gedanken hinaus in das Leben geben…

Ich bin berührt, gerührt und voller Dankbarkeit für diesen Menschen, der auf seine ganz eigene und authentische Art den Glauben an ein Miteinander und Füreinander vermittelt. Als er zum Abschluss auch noch die Klangschale für ein Gebet anschlägt, würde ich am liebsten Klatschen! Wie sehr hat es mich gefreut, dass es allen anderen auch so ging und der Gottesdienst mit Applaus endete. Wir alle verlassen beseelt die Kirche – im wahrsten Sinne des Wortes.

Alles ist miteinander verbunden, und hat einen Sinn. Obwohl dieser Sinn meist verborgen bleibt, wissen wir, dass wir unserer wahren Mission auf Erden nah sind, wenn unser Tun von der Energie der Begeisterung durchdrungen ist. - Paul Coelho

Dieser Mann hat das Thema Spiritualität so vermittelt, wie ich es praktisch jeden Tag lebe. Phänomene wie das Gesetz der Resonanz, Manifestation und die Kultivierung von Bewusstheit erscheinen dann niemanden mehr spooky oder esoterisch. So wie er seinen Auftrag erkannt hat – die Menschen der Gemeinde für diese Dinge zu sensibilisieren – fühle ich jeden Tag eine Sinnhaftigkeit in meiner Arbeit, indem ich Menschen dazu bewege, ihr Leben bewusster zu erleben.

Danke für diese Inspiration! Interessanterweise haben auch andere Besucher danach beschrieben, dass sie am Kopf ein Kribbeln hatten und ein Gefühl, als wenn ihr Körper mit Energie geflutet wird. Und wer weiß – vielleicht wurden wir alle nicht nur durch diesen Gottesdienst berührt, sondern durften unseren Schutzengel wahrnehmen.

Was für ein schöner Gedanke!